10 Mythen rund um die Hundeerziehung

Die Top 10 Mythen der Hundeerziehung

Hach schön!

Nach einer kleinen Bloggerpause melde ich mich heute zurück und zwar mit einem Thema, was bei euch auf Instagram großen Anklang fand: MYTHEN.

Hundeforen, Facebook, Instagram, Bücher, Hundetrainer, Tierärzte, Fachzeitschriften, Klatschblätter, Fernsehsendungen etc. der Informationsmarkt in Sachen Hund ist riesig. Ob das nun gut oder schlecht ist, lassen wir mal dahingestellt. Mir ist wichtig, dass du alles was du liest, hörst und siehst IMMER hinterfragst und NIE ohne darüber nachzudenken handelst. Das gilt auch für ALLE meine Beiträge hier. Ob Experte oder Laie, das Wissen über Hunde ist genauso wenig statisch, wie das Wissen über unsere eigene Art, deshalb bitte ich dich, nachfolgende Mythen nicht in Stein gemeißelt zu sehen, sondern als Denkanstoß.

Hier sind sie nun aber, die Top 10 der aktuellen Hundemythen:

1. Welpen haben Welpenschutz

Fakt ist, es gibt eine Art Welpenschutz in der eigenen Sozialen Gruppe. Das eigene Genmaterial wird geschützt, nicht jedoch fremdes Genmaterial. Fremde Welpen können bei Hunden sogar als Konkurrenz angesehen werden, was im schlimmsten Fall auch zum Angriff führen kann. Ist der Welpe also nicht mehr im Familienverbund (sprich: Mutter ggf. Vater und Geschwister), gilt keine Form von Welpenschutz. 

2. Hunde dürfen Zerrspiele niemals gewinnen

Ein weit verbreiteter Mythos ist, dass gewonnene Zerrspiele dem Hund ein Gefühl der Überlegenheit gegenüber seines Besitzers vermitteln. Das stimmt nicht so ganz! Wenn du und dein Hund eine gute Beziehung oder sogar eine Bindung zueinander habt, dann versteht dein Hund, dass es ein Spiel ist und kein Wegnehmen einer Ressource. Ein ausgelassenes Spiel besteht immer aus einem Wechsel zwischen gewinnen und verlieren. Warum sollte dein Hund immer der Verlierer sein? Durch einen Gewinn wird bei deinem Hund sein Selbstwertgefühl bestätigt und verbindet gleichzeitig eine positive Emotion mit dir und diesem Spiel. Lasse ihn also ruhig auch mal triumphieren!

3. Dein Hund muss immer hinter dir laufen und darf neue Räume/Gegenden immer erst nach dir betreten

Wissenschaftliche Feldforschungen an Wölfen (z.B. Bloch) zeigen, dass Laufpositionen und Statusrang nicht gleichzusetzten oder abhängig voneinander sind. Es kann ganz unterschiedliche Gründe haben, warum ein Tier voran läuft und ein anderes das Schlusslicht bildet. Beispiele dafür wären: Kraft, bessere Ausdauer, Mut oder Neugierde. Es bringt dir also keinen Vorteil in deiner Machtposition, wenn du deinen Hund immer hinter dir laufen lässt. Rituale, dass dein Hund erst nach dir die Haustür verlässt, sind aus Sicht der Sicherheit für deinen Hund jedoch durchaus sinnvoll. Wichtig ist, deine Vorläuferposition hat rein gar nichts mit deiner Stellung gegenüber deinem Hund zu tun. 

4. Belohnen mit Leckerlies sollte man vermeiden

Ein Streitthema bei vielen Hundetrainern. Dazu möchte ich dir einen Denkanstoß geben: Wann lohnt es sich, für deinen Hund eine Änderung in seinem Verhalten auszuführen? Diese Frage ist individuell für jeden Hund, aber auch für jede Situation, in der du mit deinem Hund bist. In dem Wort „Belohnung“ steckt das Wort „Lohn“. Eine Verhaltensänderung wird immer nur ausgeführt, wenn durch die Änderung für den Hund eine Verbesserung entsteht. Mag dein Hund also keine Leckerlies, dann lohnt es sich, dafür sein Verhalten zu ändern. Mag er Leckerlies, ist es sicherlich ein guter Anreiz, seine Situation zu verbessern. Genauso gut kannst du deinen Hund aber auch mit Spiel oder Zuneigung belohnen, auch aus dem Grund, dass Futter endlich ist und dein Hund irgendwann satt sein wird. Tipp von mir: Finde zwei Belohnungen, die für deinen Hund belohnend sind und kombiniere sie. Du kennst deinen Hund am besten!

5. Alte Hunde können nichts mehr lernen

Getreu nach dem Spruch: „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr“. Wäre ja eine schöne Ausrede, für alle, die einen Hund erst im höheren Alter bei sich aufnehmen, stimmt aber nicht. Schon mal was von „erneuerbaren Zellen“ gehört? Gerade Zellen im Hippocampus (Lernzentrum) sind unglaublich plastisch, d.h. sie erneuern und verändern sich, demnach kann auch ein alter Hund neues Lernen und ist immer noch in der Lage, trainiert zu werden. Was nicht bedeuten soll, dass es ein leichter Weg ist, gerade bei unerwünschten Verhaltensweisen, mit dem der Hund schon etliche Male Erfolg hatte, können sehr hartnäckig sein und man sollte einen Trainer zu Rate ziehen.

6. Die klären das unter sich

Ich hoffe an dieser Stelle, dass es mittlerweile kein Mythos mehr ist, sondern dass dieser Satz bei mittlerweile allen Hundebesitzern die Alarmglocken klingeln lässt. 

Für alle, die noch an diesem Satz festhalten: Was sollen sie denn regeln ? 

Ich hoffe, allen ist klar, dass man bei einer Auseinandersetzung zwischen Hunden eingreifen kann, darf und auch sollte, sofern die Situation aus dem Ruder läuft. Mal abgesehen davon, dass ein kleiner 4kg Hund wohl kaum gegen einen 40kg Hund etwas entgegenzusetzten hat.

7. Hunde müssen immer freundlich zueinander sein, ansonsten haben sie ein Verhaltensproblem

Ok. Frage: Magst du jeden Menschen? Hast du dich schon einmal mit wem gestritten? Warum sollen unsere Hunde jeden anderen Hund mögen? Es gibt auch bei unseren Fellnasen Sympathien und eben auch nicht. Wichtig ist, zu wissen, dass es auch situationsabhängig ist. Alter, Gesundheit, Geschlecht, Hormonstatus, alles Dinge, die Freunde zu Feinden werden lassen können. Beobachte deinen Hund und du wirst schnell merken, mit wem er kann und mit wem eben auch nicht. 

8. Hunde dürfen nicht mit in Bett, da du ihn sonst zum Chef machst!

Ein Rangordnungsproblem kann vielen Gründen zu Grunde liegen, jedoch entsteht es nicht daraus, dass du deinen Hund bei dir schlafen lässt. Hunde entscheiden sich in der Regel dafür, aufs Bett oder Sofa zu springen, da sie es genauso bequem finden, wie du auch. In der Regel fördert ein Kontaktliegen mit deinem Hund sogar eure Bindung! Es ist also kein Drama, solange du möchtest, dass dein Hund dir im Bett oder auf dem Sofa Gesellschaft leistet. Eine neue Studie hat sogar herausgefunden, dass Frauen besser schlafen, wenn ein Hund im Bett schläft. 

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9. Ein Brustgeschirr ist besser als ein Halsband

Ein Thema über das sich sicherlich viele Tierärzte und Hundetrainer streiten. Dazu möchte ich hier auch gar nicht viel ansprechen, denn ich bin keine Tierärztin! Fakt ist, das Brustgeschirr wurde ganz ursprünglich dafür verwendet, dass Hunde damit ziehen z.B. einen Schlitten. Fakt ist auch, dass ein Geschirr das Zuggewicht über den Körper gleichmäßig verteilt und ein Halsband eben nicht. Somit übt das Halsband bei hohem Zug Kraft auf die Halswirbelsäule aus. Zieht dein Hund stark, liegt es also ganz bei dir, ob du es ihm schlicht weg abtrainierst, dann wird auch ein Halsband deinem Hund keinen Schaden zuführen oder ob du dich entscheidest ein Geschirr anzulegen. Was nicht bedeutet, dass man Ziehen nicht auch mit Geschirr abtrainieren kann. Es ist dein Hund, du entscheidest. Besser oder schlechter möchte ich hier nicht werten, ich benutze beides!

10. Hunde die knurren sind aggressiv

Manchmal müssen wir Menschen uns einfach von unserem Bedürfnis nach Harmonie trennen und uns eingestehen, dass auch unsere Hunde Missgefallen einen Ausdruck verleihen dürfen. Wie sollen sie uns sonst zeigen, dass ihnen etwas nicht gefällt? Sprechen können sie nicht! Das Knurren und Zähne fletschen ist eine Warnung, dass ein anderer Hund oder auch wir etwas tun, was Missgefallen bei unserem Hund auslöst. Das können sein: Schmerzen, Distanzunterschreitung etc. Wichtig hierbei ist, es darf nicht in Aggression umschlagen! Den Hund lesen zu lernen ist dabei sehr wichtig. Bist du dir unsicher, solltest du also einen Trainer zu Rate ziehen!

Das waren nun die Top 10 Mythen rund um den Hund. Ich hoffe, du konntest dir so einen guten Überblick verschaffen. Falls du mehr Informationen zu einzelnen Themen möchtest, schaue doch einmal in meiner Bücherliste vorbei. Dort findest du fast alle Quellen zu meinen Artikeln hier im Blog!

Liebe Grüße

Sarah

2 Kommentare

  1. Hallo Sarah,
    bei diesem wirklich sehr gelungenem Beitrag konnte ich ebenfalls nur die ganze Zeit nicken!
    Das sind wirklich 10 sehr große Mythen rund um die Hundeerziehung.

    Ich persönlich finde den Mythos Nummer 1 am Schlimmsten – ich glaube ich habe selten so einen riesigen Irrglauben im Hunde-Thema gehört….

    LG Samy

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